Die obige Skulptur aus fließendem Metalldraht ist eine 3D-Grafik, die im Rahmen der Serie
"abstrakt.0104" von
Tim Borgmann in
Realsoft 3D gemodelt und gerendert wurde. Nachdem ich voriges Jahr per Zufall auf seine Arbeiten gestoßen bin, habe ich auf der diesjährigen
fmx/07 in Stuttgart am Stand des
3DPowerstore auf einem Plakat eine Grafik aus dieser Serie wiederentdeckt (
Tim Borgmann war am 4. Mai zusammen mit einigen anderen Grafikern zu einer
Signierstunde auf der
fmx/07).
Was mir - neben der makellosen technischen Ausführung - zuerst aufgefallen ist, ist die Eigenständigkeit dieser Arbeiten. Daneben haben mich von Anfang an besonders diese
roten, fließenden Strukturen fasziniert, die an eingefärbtes und erstarrtes flüssiges Glas erinnern.
Hier ein Detail aus einer solchen
glasartigen Struktur:
Als "reale" Skulpturen wären diese 3D-"Skulpturen" aber schon aus rein technischen Gründen vermutlich nicht realisierbar. Während das Drahtgeflecht vielleicht noch machbar wäre, kann ich mir nicht vorstellen, wie man flüssiges Glas mit solcher Präzision in die Drahtstruktur integrieren will.
Meiner Ansicht nach eröffnen diese 3D-"Skulpturen"
einen gangbaren Weg, um das Medium Computer- bzw. hier speziell 3D-Grafik als sozusagen "zweckfreies", rein künstlerisches Medium zu erschließen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Äußerung des Malers
Markus Lüpertz, der meinte, der Computerkunst (ich habe den genauen Ausdruck nicht mehr im Kopf; es kann sein, daß er sich auf "Multimedia" bezogen hat) "fehle das Gewicht der Zeit" - aber wie soll das denn auch anders sein, wenn man bedenkt, daß dieses Medium gerade mal ein halbes Jahrhundert alt ist, während die traditionelle Malerei auf eine mittlerweile Jahrtausende alte Geschichte zurückblicken kann.
Ich denke und hoffe jedenfalls, daß im Laufe der Zeit mehr Künstler das Medium "Computergrafik" mit seinen faszinierenden Möglichkeiten als Ausdrucksmittel für sich entdecken und so mithelfen, es als eine neue und eigenständige Kunstform zu etablieren, und ich meine, daß diese freien Arbeiten von
Tim Borgmann ein vielversprechender Ansatz in diese Richtung sind.
Tim Borgmann arbeitet inzwischen mit der High-end-Software
Softimage XSI, die er für seine aktuelle
fragment-Serie eingesetzt hat. (Für die Serie
microscope hat er noch überwiegend
Realsoft 3D benutzt.)
Hier noch eine von
Tim Borgmanns aktuellen Arbeiten aus seiner
fragment-Serie:
Grafiken © Copyright 2004/2006 by Tim Borgmann. Mit freundlicher Genehmigung.